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Eingewöhnung

Berliner Eingewöhnungsmodell: Ablauf, Phasen und Dauer

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2026 · Fachredaktion Liedio

Ein dreijähriges Kind sitzt am dritten Kita-Tag auf dem Schoß der Mutter, beobachtet die Bauecke und löst sich für ein paar Minuten, um einen Holzbagger zu holen. Genau dieser Moment ist der Kern des Berliner Eingewöhnungsmodells: Das Kind erkundet das Neue von einem sicheren Punkt aus und baut dabei langsam eine Beziehung zur Bezugserzieherin auf.

Dieser Artikel erklärt den konkreten Ablauf: die einzelnen Phasen, wann der erste Trennungsversuch ansteht, woran man den Abschluss erkennt und wie lange das Ganze in der Regel dauert.

Wie läuft das Berliner Eingewöhnungsmodell ab?

Das Berliner Eingewöhnungsmodell verläuft in vier Schritten: einer dreitägigen Grundphase mit einem Elternteil und ohne Trennung, dem ersten Trennungsversuch ab etwa dem vierten Tag, der Stabilisierungsphase mit schrittweise längeren Trennungen und der Schlussphase. Eine feste Bezugserzieherin begleitet das Kind durchgehend. Insgesamt dauert die Eingewöhnung meist zwei bis vier Wochen, das Tempo bestimmt aber das Kind.

Woher das Berliner Modell stammt

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde am INFANS-Institut (Institut für angewandte Sozialisationsforschung / Frühe Kindheit) in Berlin entwickelt. Die Hauptautoren sind Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervári-Heller. Es ist heute das am weitesten verbreitete Eingewöhnungskonzept im deutschsprachigen Raum.

Die Grundidee stammt aus der Bindungsforschung: Ein kleines Kind kann sich nur dann auf eine fremde Umgebung einlassen, wenn es sich sicher fühlt. Diese Sicherheit kommt anfangs vom vertrauten Elternteil, der als „sichere Basis“ im Raum sitzt. Erst wenn das Kind eine neue Beziehung zur Bezugserzieherin aufgebaut hat, kann sich das Elternteil zurückziehen. Deshalb bekommt das Kind eine feste Bezugserzieherin, die es durch die gesamte Eingewöhnung begleitet.

Die Phasen im Berliner Modell

Der Ablauf gliedert sich nach einem Vorgespräch in vier Phasen. Die folgende Tabelle zeigt die ungefähre Dauer und was in jeder Phase passiert. Die Zeitangaben sind Richtwerte, das Tempo bestimmt das Kind.

PhaseUngefähre DauerWas passiert
Grundphaseca. 3 TageEin Elternteil begleitet das Kind täglich für ein bis zwei Stunden in die Gruppe und verhält sich passiv als sichere Basis. Die Bezugserzieherin nimmt vorsichtig Kontakt auf. In dieser Phase gibt es bewusst keinen Trennungsversuch.
Erster Trennungsversuchab ca. Tag 4Das Elternteil verabschiedet sich kurz und verlässt den Raum, bleibt aber in der Nähe und abrufbar. Die Reaktion des Kindes zeigt, wie lange die Eingewöhnung etwa dauern wird.
Stabilisierungsphaseetwa 1 bis 2 WochenDie Trennungszeiten werden Schritt für Schritt verlängert. Die Bezugserzieherin übernimmt zunehmend Pflege und Begleitung und wird so selbst zur sicheren Basis.
Schlussphasewenige TageDas Elternteil ist nicht mehr in der Einrichtung, aber jederzeit erreichbar. Das Kind bleibt mehrere Stunden allein und akzeptiert die Bezugserzieherin als verlässliche Bezugsperson.

Die Grundphase: erst ankommen, nicht trennen

In den ersten etwa drei Tagen geht es allein darum, dass das Kind den neuen Ort kennenlernt, während das vertraute Elternteil dabei ist. Das Elternteil bleibt eher im Hintergrund, drängt das Kind nicht ins Spiel und reagiert, wenn es zurückkommt. Die Bezugserzieherin beobachtet zunächst und macht behutsam Spielangebote.

Wichtig: In der Grundphase wird das Kind nicht allein gelassen. Ein Trennungsversuch in diesen ersten Tagen würde dem Sinn des Modells widersprechen, weil die neue Beziehung noch nicht trägt.

Der erste Trennungsversuch als Wegweiser

Ab etwa dem vierten Tag verabschiedet sich das Elternteil bewusst und verlässt den Raum, bleibt aber in der Einrichtung. Dieser kurze Versuch dient als Einschätzung: Die Reaktion des Kindes gibt den Takt für den weiteren Verlauf vor.

  • Lässt sich das Kind rasch von der Bezugserzieherin beruhigen oder bleibt es gelassen, deutet das auf eine kürzere Eingewöhnung hin. Die Trennung kann dann auf etwa eine halbe Stunde ausgedehnt werden.
  • Weint das Kind anhaltend und ist kaum zu trösten, wird die Trennung nach wenigen Minuten beendet. Man bleibt noch einige Tage in der vertrauten Begleitung, ein erneuter Versuch folgt später.

Die Dauer des ersten Versuchs richtet sich nach dem Kind und liegt meist nur bei wenigen Minuten bis etwa einer halben Stunde. Wie lange der Versuch dauert, hängt vom Befinden des Kindes ab.

Wie lange dauert die Eingewöhnung?

Insgesamt dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell in der Regel zwei bis vier Wochen. Manche Kinder brauchen weniger, andere deutlich länger, das ist kein Rückschritt, sondern individuelles Tempo. Planen Sie als Eltern diese Zeit fest ein und vermeiden Sie es, in den ersten Wochen sofort wieder voll zu arbeiten.

Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind die Bezugserzieherin als sichere Basis akzeptiert. Das konkrete Zeichen dafür: Das Kind lässt sich nach dem Abschied zuverlässig von der Bezugserzieherin trösten und wendet sich ihr bei Kummer aktiv zu. Erst dann trägt die neue Beziehung.

Ein Lied mit Namen als wiederkehrender Anker

Rituale geben in der Eingewöhnung Halt, weil sie das Unbekannte vorhersehbar machen. Ein kurzes Begrüßungslied beim Ankommen ist so ein Anker: Es markiert jeden Morgen denselben Übergang und das Kind weiß, was als Nächstes kommt.

Kommt der eigene Vorname im Lied vor, fühlt sich ein Kind direkt angesprochen und gemeint, was in einer noch fremden Gruppe besonders viel wert ist. Die Bezugserzieherin kann das Lied beim morgendlichen Ankommen einsetzen und so jeden Tag denselben verlässlichen Startpunkt schaffen.

So klingt ein Eingewöhnungs-Lied mit Namen — Hörprobe „Alexander“:

Übergang

Eingewöhnungs-Lied — Beispiel „Alexander"

Sanftes Willkommens-Lied für die ersten Kita-Tage. Begleitet den Übergang von zu Hause in die neue Gruppe.

03:00
Lied starten00:00 / Beispiel

Ein vertrauter Anker für die Eingewöhnung?

Ein Begrüßungslied mit dem Namen des Kindes gibt den ersten Morgenkreisen Wiedererkennung und Halt.

Häufige Fragen

In der Regel ab dem vierten Tag, also nach der etwa dreitägigen Grundphase. Reagiert das Kind sehr belastet, wird der Versuch verschoben und einige Tage später wiederholt.

Ja. In den ersten Tagen begleitet ein vertrautes Elternteil das Kind durchgängig und dient als sichere Basis. Ein Wechsel der Begleitperson mitten in der Eingewöhnung sollte vermieden werden, weil Kontinuität die Bindung trägt.

Das ist normal und kein Problem. Die Dauer richtet sich nach dem Kind. Eine längere Eingewöhnung bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft, sondern dass dieses Kind mehr Zeit für die neue Beziehung braucht.

Daran, dass sich das Kind nach dem Abschied von der Bezugserzieherin trösten lässt und sich bei Kummer aktiv an sie wendet. Dann hat es sie als sichere Basis akzeptiert.

Das Berliner Modell ist auf eine feste Bezugserzieherin ausgerichtet, das Münchener Modell stärker auf die Kindergruppe und einen längeren gemeinsamen Start. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im verlinkten Artikel „Berliner vs. Münchner Modell“.