Von der Krippe in den Kindergarten: der Wechsel, den alle unterschätzen
Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2026 · Fachredaktion Liedio
Über den Abschied der Vorschulkinder wird viel geschrieben: Feier, Schultüte, Fotos an der Wand. Über den Wechsel von der Krippe in die Kindergartengruppe schreibt kaum jemand etwas. Dabei trifft er Kinder, die gerade erst gelernt haben, dass dieser Ort sicher ist — und denen man ihn nun wieder wegnimmt.
Der Satz, der diesen Übergang so oft unterschätzt: „Sie kennt die Kita ja schon." Stimmt — das Gebäude. Alles andere ist neu.
Ist der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten eine neue Eingewöhnung?
Ja, wenn auch meist eine kürzere. Neu sind Räume, Bezugserzieherinnen, Gruppengröße und Tagesablauf — vertraut ist oft nur das Haus. Für den internen Wechsel sollten Sie einige Tage bis zwei Wochen einplanen, beim Wechsel in eine andere Einrichtung eine vollständige Eingewöhnung. Entscheidend ist, dass der Abschied von der Krippengruppe bewusst gestaltet wird und nicht nebenbei passiert.
Was sich für das Kind tatsächlich ändert
Von außen sieht der Wechsel nach einem Zimmerwechsel aus. Aus Kindersicht ändert sich fast alles gleichzeitig:
- Die BezugspersonDie Erzieherin, zu der das Kind über Monate Vertrauen aufgebaut hat, ist ab jetzt in einem anderen Raum. Das ist der schwerste Teil.
- Die GruppengrößeAus zehn bis zwölf Kindern werden oft zwanzig bis fünfundzwanzig. Mehr Lärm, mehr Bewegung, weniger Erwachsene pro Kind.
- Die AltersspannePlötzlich sind die anderen Kinder bis zu drei Jahre älter, schneller und sprachlich weiter — für ein Dreijähriges ein spürbarer Unterschied.
- Die SelbstständigkeitIm Kindergarten wird mehr allein erwartet: Anziehen, Toilette, Essen holen. Vieles davon konnte das Kind schon, wurde ihm aber abgenommen.
- Der TagesablaufWeniger Schlafenszeit, längere Angebotsphasen, andere Rituale — auch das muss neu gelernt werden.
Der richtige Zeitpunkt
In den meisten Einrichtungen liegt der Wechsel beim Start des neuen Kita-Jahres im August oder September. Das hat einen guten Grund: Mehrere Kinder wechseln gleichzeitig, die Gruppe sortiert sich ohnehin neu, und niemand kommt als Einzelner in ein eingespieltes Gefüge.
Ein Wechsel mitten im Jahr ist machbar, aber einsamer. Wenn er sich nicht vermeiden lässt, lohnt die Frage an die Einrichtung, ob ein zweites Kind mitwechselt — zu zweit anzukommen ist etwas völlig anderes als allein.
Die Wochen davor: Besuche statt Ankündigungen
Viele Kitas lassen künftige Kindergartenkinder in den Wochen vor dem Wechsel stundenweise in der neuen Gruppe schnuppern — anfangs begleitet von der vertrauten Krippenerzieherin. Das ist die wirksamste Vorbereitung, die es gibt. Fragen Sie danach, falls es nicht angeboten wird.
Zu Hause hilft Konkretheit mehr als Zuspruch. Nicht „Das wird schön", sondern: Wie heißt die neue Erzieherin? Wo hängt die Jacke? Wer aus der Krippe kommt mit? Kinder beruhigt Wissen, nicht Optimismus.
Den Abschied von der Krippe sichtbar machen
Der häufigste Fehler ist, den Abschied zu überspringen, weil das Kind „ja im selben Haus bleibt". Genau daran hängt aber, ob das Kind den Wechsel als Schritt nach vorn erlebt oder als etwas, das ihm passiert ist. Drei Rituale, die sich in der Praxis bewährt haben:
- 1Die letzte Morgenkreis-RundeJedes Kind der Krippengruppe sagt einen Satz zum wechselnden Kind. Zehn Minuten, mehr braucht es nicht — aber sie bleiben.
- 2Ein Bild für das PortfolioEin Foto der Krippengruppe, das mit in die neue Gruppe wandert. Es macht die alte Zugehörigkeit sichtbar, statt sie zu löschen.
- 3Ein Lied mit den NamenEin Abschiedslied, in dem die wechselnden Kinder namentlich vorkommen. Es lässt sich in der Krippengruppe singen und später zu Hause wieder hören — der einzige Teil des Abschieds, den das Kind mitnehmen kann.
Abschiedslied Erzieherin — Beispiel „Valentina"
Persönliches Abschiedslied für Erzieherinnen, die die Kita verlassen — mit Vorname im Refrain, vom Team oder den Kindern als Geschenk. Warm, wertschätzend, nicht traurig — Toniebox-tauglich.
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Die ersten Wochen danach
Rechnen Sie mit Rückschritten. Mehr Klammern am Morgen, unruhigerer Schlaf, manchmal ein Rückfall in der Sauberkeitsentwicklung — das Kind leistet gerade Anpassungsarbeit, und die kostet Kapazität, die dann woanders fehlt. In aller Regel geht das binnen weniger Wochen vorbei.
Was jetzt trägt, ist dasselbe wie bei der ersten Eingewöhnung: Verlässlichkeit, gleichbleibende Abläufe, vertraute Anker. Wenn Sie unsicher sind, ob die Reaktion noch normal ist, hilft der Blick auf die echten Warnsignale — sie gelten hier genauso.
Sonderfall: Wechsel der Einrichtung
Bei einem Umzug oder Trägerwechsel gilt nichts von der Verkürzung: Das ist eine vollständige Eingewöhnung mit allem, was dazugehört. Zwei Dinge machen dabei den Unterschied — ein Übergangsgegenstand aus der alten Kita, der die Brücke schlägt, und ein echter Schlusspunkt am alten Ort. Kinder, die einfach nicht mehr hingebracht wurden, tragen diese offene Tür oft monatelang mit sich.
Etwas, das mit in die neue Gruppe geht
Ein Abschiedslied für die Krippengruppe
Mit den Namen der wechselnden Kinder — singbar beim Abschied, hörbar noch Jahre später.
Häufige Fragen
Ja, wenn auch meist kürzer. Der Wechsel bedeutet neue Räume, neue Bezugserzieherinnen, oft eine größere Gruppe und ältere Kinder. Vertraut ist bestenfalls das Gebäude. Rechnen Sie im hausinternen Wechsel mit einigen Tagen bis zwei Wochen, beim Wechsel in eine andere Einrichtung mit einer regulären Eingewöhnung. Unterschätzt wird der Übergang vor allem deshalb, weil das Kind „ja schon Kita kennt".
In den meisten Einrichtungen liegt er beim Start des neuen Kita-Jahres im August oder September, weil dann mehrere Kinder gleichzeitig wechseln und die Gruppe sich ohnehin neu sortiert. Ein Wechsel mitten im Jahr ist möglich, aber einsamer — das Kind kommt dann als Einzelnes in eine bereits eingespielte Gruppe. Fragen Sie in der Einrichtung nach, ob ein Sammel-Wechsel geplant ist.
Am besten durch Besuche vor dem Wechsel: Viele Kitas lassen die künftigen Kindergartenkinder wochenweise für eine Stunde in der neuen Gruppe schnuppern. Sprechen Sie zu Hause konkret über das Neue statt allgemein — der Name der neuen Erzieherin, wo die Garderobe ist, wer aus der Krippe mitkommt. Und benennen Sie den Abschied ausdrücklich, statt ihn zu übergehen: Auch ein Wechsel im selben Haus ist ein Abschied.
Mit einem kleinen, sichtbaren Ritual — genau wie beim Abschied der Vorschulkinder, nur in kleinerem Rahmen. Bewährt haben sich: eine letzte Runde im Morgenkreis, in der jedes Kind etwas sagt; ein Foto der Krippengruppe für das Portfolio; ein gemeinsames Lied, in dem die Namen der wechselnden Kinder vorkommen. Wichtig ist, dass der Abschied stattfindet und nicht zwischen Tür und Angel passiert.
Rückschritte in den ersten Wochen sind normal: wieder mehr klammern, schlechter schlafen, in der Sauberkeitsentwicklung zurückfallen. Das Kind bewältigt gerade eine Anpassungsleistung. Was hilft, ist dasselbe wie bei der ersten Eingewöhnung — Verlässlichkeit, ein gleicher Ablauf, vertraute Anker. Halten die Rückschritte über mehrere Wochen an, sprechen Sie mit der neuen Bezugserzieherin.
Dann ist es eine vollständige Eingewöhnung, kein interner Wechsel — planen Sie entsprechend Zeit ein. Zwei Dinge helfen besonders: einen Übergangsgegenstand aus der alten Kita mitnehmen, der die Brücke schlägt, und den Abschied dort bewusst gestalten, statt einfach nicht mehr zu erscheinen. Kinder brauchen einen Schlusspunkt, um sich auf Neues einzulassen.
Rund um den Übergang
